Korrespondenz texts
texts

This string quartet reproduces the dramatic relations between Leopold Mozart, living in Salzburg, and his son, Wolfgang Amadeus Mozart, in 1778 living in Paris, through excerpts from their correspondence. The instruments of the string quartet are sounded as if they were "conducting conversations". The emotional tension of the writing and reading of the letters, the words, the thoughts, the ulterior motives, the lurking doubts are all dramatized. The appended text will aid the listener in understanding and following more easily and precisely the quickly developing and complexly unfolding events.


Peter Eötvös

 

Auf der Grundlage ihres Briefwechsels aus dem burbulenten Jahr 1778 schrieb Eötvös drei Quartettszenen mit dem Titel Korrespondenz, bei denen er der Bratsche die Rolle Wolfgangs zuweist, dem Cello die des Vaters Leopeld. Die beiden Geigen wachen wie zwei Schutzgeister oder Beobachter über das familiäre Hin und Her.
In der ersten Szene versucht der Vater seinen Sohn davon abzuhalten, mit einer Sopranistin durchzubrennen: er drängt auf die Fertigstellung eines Flötenkonzerts. In der zweiten Szene klagt Mozart über mangelnde Beachtung in Paris, die ihm angebotene Organistenstelle schlägt er jedoch aus. In der dritten Szene berichtet Wolfgang von einer gelungenen Uraufführung und verschweigt, dass seine Mutter soeben gestorben ist.
Worte werden nicht gesprochen in diesem Quartett, jedenfalls nicht aus Menschenmund. Was die Instrumente jedoch spielen, ist der menschlichen Sprache verwirrend nah. Die Töne bilden den Rhythmus der Worte, ihre Intonation und ihre Feinheiten nach: Wenn sich die Mozarts auf französisch schreiben, dann hört man dies an der nasalen Klanggebung der Instrumente. Und als Wolfgang sich mit sonderer Sorgfalt in Schönschrift übt, zupft die Bratsche Kalligraphie.
Auch in Korrespondenz erschließen sich - über den genauen Wortsinn hinaus - die feinen Zwischentöne; jene Verärgerung oder Beklemmung, die man vielleicht hinter Tintenstrichen noch verbergen kann, in der Musik aber niemals.

Kornelia Bittmann (WDR Köln, 2002)