Chinese Opera texts
texts

 

"My Chinese Opera has little to do with the authentic Chinese opera. In China, every province has its own theatrical style which is named after the province in question. Thenceforth this style remains unchanged in performance. Chinese Opera is music written specifically for theatrical and cinematographic presentation; it is the music of my own limited "province". The dedications to various directors and producers are at the same time character and tempo indications: the ceremonious stage build-up in Brook's work, Bondy's lyrically supple beauty, the comically fantastic situations in Wilson's theatre, Grüber's streaming polyphony, Tati's mute humour (they all chatter with the consequence that nobody understands anything) and the hard, mountainous verticality of Chéreau."

Peter Eötvös

1. Vorspiel und Vorhänge (für Peter Brook)

2. Erste Szene in E und Gis (für Luc Bondy)

3. Zweite Szene in F und G (für Klaus Michael Grüber)

4. Dritte Szene in Fis und C, Vorhänge (für Patrice Chéreau)

 

Es gibt jedoch durchaus eine opernhafte Dimension in Chinese Opera, nämlich in dem Sinne, daß die Musik immer theatralisch ist: sie geht aus der Gebärde hervor, aus der sprachlichen Geste.
Jenseits der Sprache und der Posen stellt die Orchestration von Chinese Opera auch (und vielleicht vor allem) ein Werk der Bewegung dar: jener der Mengen, der Verschiebung von Massen. Wie mir der Komponist schrieb, handelt es sich um "Ballungen, die sich bilden und wieder auflösen, sich eine mit der anderen überkreuzen - wie beim Überqueren einer stark befahrenen Straßenkreuzung". In diesem Sinne war schließlich die "szenische" Realisation ursprünglich geplant: sie sollte nicht auf der Bühne eines Theaters stattfinden, sondern "an einer Straßenecke, mit einem Platz und Etagenwohnhäusern". Man hätte in den Fenstern "den Tanz der Silhouetten, der Gardinen und der Lichter" sehen können, aber auch das Hin und Her, den Auflauf auf der Straße.
Gesprochene Oper ohne Worte, komische und fantastische Oper, Oper der Bewegung von Massen, des öffentlichen Orts, nicht chinesisch, aber aus einer "inneren Provinz": es ist schwierig, Chinese Opera einem Genre zuzuordnen. Denn, wie die Widmungen an so verschiedene Regisseure reflektieren, ist das Werk beweglich, es spielt, es nimmt den Kontrast der Charaktere: "den schnellen, rituellen Bühnenaufbau bei Brook, bei Bondy die biegsame lyrische Schönheit, bei Grüber die strömende Polyphonie, schließlich die harte felsblockartige Vertikalität bei Chérreau."
Chinese Opera ist ein Werk zum sheneden Hören.

Peter Szendy